Zeitgenössische Oper Berlin

 Peter Maxwell Davies

 Ein Überblick über seine Werke von Paul Griffiths

Peter Maxwell Davies hat beinahe sein gesamtes Erwachsenenleben an ziemlich isolierten Plätzen gelebt: auf dem Land im Englischen Westen, und, seit den frühen 70er Jahren, in Orkney, wo ein kleines Bauernhaus auf den Klippen von Hoy über der verlassenen Ortschaft Rackwick für ein viertel Jahrhundert sein Zuhause war. Das Leben eines Einzelgängers ist vielleicht in seiner Musik beschrieben, in ihrer Unabhängigkeit des Geistes, in ihrem Überschwang der Gefühle, in ihrer nachdenklichen Art, und in ihrer Achtsamkeit auf die Geräusche der Natur. Aber er war ein Stadtkind, geboren und aufgewachsen in der Umgebung von Manchester, und er hat von dem, was die Stadt zu bieten hatte, profitiert. Er lernte Klavier, aber wichtiger für seine musikalische Erziehung waren die Dinge, die er sich selbst beibrachte, entweder indem er Konzerte besuchte, oder indem er Partituren durchspielte, die er in der Rylands-Bücherei ausborgte. Musik war seine Leidenschaft, und er begann, Musik zu studieren, gleichzeitig am örtlichen Konservatorium (dem Royal Manchester College of Music, heute Royal Northern College of Music) und an der Universität.

Unter seinen Studienkollegen im Manchester der mittleren 50er waren einige, mit denen er seinen Enthusiasmus für Neue Musik teilen konnte: die Komponisten Alexander Goehr und Harrison Birtwistle, der Trompeter und Dirigent Elgar Howarth, und der Pianist John Ogdon. Sie dürften sich gegenseitig mehr beigebracht haben, als sie von den Professoren lernten, und sie widmeten sich mit ganzer Kraft dem, was nicht auf dem Lehrplan stand: die neue Europäische Avantgarde (Stockhausen, Boulez, Nono), mittelalterliche Musik und Indische Musik. Für seine Kollegen in Manchester schrieb Davies seine ersten publizierten Kompositionen, darunter seine "Sonata for Trumpet" (1955) und "Five Pieces for Piano" (1956), die ihm nationale Anerkennung brachten, als er noch in seinen 20ern war.

1957 ging er nach Rom, wo er bei Goffredo Petrassi studierte, und wo er sein erstes Orchesterstück produzierte, "Prolation" (1958). Nach England kehrte er 1959 zurück, und nahm eine Anstellung als Musikdirektor an der Cirencester Grammar School an, wobei er ein lebenslanges Interesse für Musikerziehung begann. Dies zeigte sich zuerst in seinen weithin beachteten Versuchen, die Schulmusik kreativer zu machen, und dann auch in der Musik, die er für Cirencester schrieb, darunter "Five Klee Pictures" für Orchester und "O Magnum Mysterium" für Chor und Instrumente. Er gab der Schule viel, und er erhielt viel zurück, da die Erfahrung, direkt mit den Ausführenden zu arbeiten, ihn dazu brachte, die enorme Komplexität, die er ihn Partituren wie "Prolation" entwickelt hatte, nochmals zu überprüfen. Weiters kam er in Kontakt mit Monteverdis Vesper aus dem Jahr 1610, die er für ein Cirencester-Konzert 1961 erarbeitete, was ihn dazu bewegte, einige der Texturen und Prozesse dieses Werks in eigenen Kompositionen zu erforschen.

Aber dies war kein völlig neuer Anfang. Seine Musik erforschte von Anfang an die Lektion, die er in Manchester lernte, nämlich dass es Beziehungen zwischen dem neuen Europäischen Serialismus und den konstruktiven Methoden von Mittelalter-, Renaissance- oder Barockkomponisten gibt. Die Aufgabe war, von beiden zu lernen, und gleichzeitig darauf zu achten, was inzwischen passiert war: die Blüte der westlichen Tradition, teilweise repräsentiert durch die Geschichte der Symphonie, von Haydn bis Mahler und Sibelius. Es war eine Aufgabe, die ihn den langen Weg von seiner "Sinfonia" für Kammerorchester (eines seiner von Monteverdi beeinflußten Werke, geschrieben 1962) bis zum Beginn seiner eigenen symphonischen Reise mit seiner "First Symphony" (1973-1976), und bestimmt noch weiter, beschäftigte.

Inzwischen gab es auch andere Wege zu erforschen. Durch seine Studien früher Englischer Musik kam er zu John Taverner, dessen Musik vielleicht die erstaunlichste Errungenschaft der großen Spätzeit der katholischen Polyphonie in England unter Heinrich VIII. war, und dessen Leben eine originelle Geschichte mit starken aktuellen Bezügen darstellte. Der Geschichte folgend (teilweise unglaubwürdig, obwohl uns die Fakten nicht berühren sollen), soll Taverner zur Zeit der englischen Reformation das Komponieren aufgegeben haben, um ein Protestantischer Eiferer zu werden. Davies hatte den Inhalt seiner ersten Oper gefunden. 1962 schrieb er sein erstes Werk für die Proms, "First Fantasia on an In Nomine of John Taverner", dann ging er für zwei Jahre an die Universität von Princeton in New Jersey, wo er am Libretto von "Taverner" und an diesbezüglichem musikalischem Material in "Second Fantasia" und einigen der "Seven In Nomine" arbeitete. Das originale "In Nomine" ist ein Ausschnitt einer Messe von Taverner, ein Ausschnitt, der eine Flut von Imitationen und Bearbeitungen im folgenden Jahrhundert bis Purcell hervorrief. Davies' Beträge zu diesem Repertoire - die zwei Orchesterfantasien, die "Seven In Nomine" für 5 Bläser, Harfe und Streichquartett, und die Oper "Taverner" - repräsentieren einen Handschlag, über die Jahrhunderte hinweg, mit der älteren englischen Tradition, und gleichzeitig brachten sie den Komponisten zu entschieden modernem Territorium, wie etwa Autorität zu hinterfragen, Extreme anzusteuern, Druck auf den Punkt - und weiter - auszuüben, wo Entwicklung zum Rückschritt wird, wo Imitation zum Mißbrauch wird. Die zweite Fantasia im speziellen hat etwas von der Atmosphäre einer Mahler Symphonie.

Als Davies daran ging, seine Oper zu vollenden (was ihn bis 1968 beschäftigte), brachte seine Erforschung des Rückschritts und Mißbrauchs ein Auftreten der Parodie in seiner Musik. Themen der Gregorianik (das Motiv von Taverners In Nomine, und auch Motiv von fast allem was Davies geschrieben hat) konnten in avancierter Polyphonie aufgenommen werden um sich dann plötzlich in einen Foxtrott zu verwandeln. Schoenberg konnte mit Lehar zusammengebracht werden (in "Revelation and Fall"). Die Passion Jesu Christi (in "Vesalii Icones") konnte als einfaches Ballett gezeigt werden. Zur selben Zeit begann Davies, viel produktiver zu schreiben, und mit der Gründung der "Pierrot Players" (gemeinsam mit Harrison Birtwistle) - im Jahre 1967, als er von einem Jahr an der Universität von Adelaide zurückkehrte - hatte er ein Ensemble, für das er schreiben konnte.

Die "Pierrot Players" (1971 neu benannt in "The Fires of London") bestanden aus jenen sechs Musikern, die man benötigt, um Schoenbergs "Pierrot lunaire" aufzuführen, plus einem Percussionisten, und Davies schrieb Dutzende Partituren für sie: Theaterstücke (beginnend bei "Vesalii Icones" und "Eight Songs for a Mad King"), Liederzyklen ("From Stone to Thorn", "The Blind Fiddler"), gewichtigen Kammermusikwerken ("Ave Maris Stella") und Dialogen mit Alter Musik über eine Reihe einfacher Transkriptionen (J.S.Bach: Zwei Präludien und Fugen) bis zu gänzlicher Parodie (Purcell: Fantasia und Zwei Pavanen). Aber das Ensemble war niemals eine Davies-Maschine. In den ersten Jahren teilte er die Verantwortung mit Birtwistle, und in der langjährigen Existenz ermutigte er immer wieder andere, vor allem jüngere Komponisten, für das Ensemble zu schreiben, und oft dirigierte er deren Musik neben der seinen. Es gab viel zu tun, aber, so wie in Cirencester, Davies schritt weiter voran. Vielleicht am wichtigsten war, daß er an Stabilität in seinem kompositorischen Schaffen jener Periode, die von der fast hysterischen Stimme in "Revelation and Fall" bis zur Stille (mit dunklen Untertönen) von "The Blind Fiddler" reichte, gewann.

Die Gewalt in seinen Werken dauerte etwa von 1966 bis 1969 - den Jahren der Fertigstellung von "Taverner", von "Revelation and Fall", "Eight Songs" und "Vesalii Icones", des "Foxtrott für Orchester" "St. Thomas Wake", und des orchestralen Kolosses "Worldes Blis", das ein großer Versuch der kreativen Selbsterneuerung zu einer Zeit alarmierender Desintegration war. Wie der Komponist es beschrieb, war "Worldes Blis" eine Reise zu einer musikalischen Landschaft der Ruhe, die er in der wirklichen Landschaft der Orkneys realisiert fand, und seine Übersiedlung dorthin, 1971, stimmte mit dem Ende des Sturms in seiner Musik überein. Ohne Zweifel schuldete der neue Frieden einiges der Landschaft und den Leuten von Orkney; mit Sicherheit aber schuldete er einiges dem Orkadischen Schriftsteller George Mackay Brown, dessen Verse und Novellen Davies' hauptsächliche literarische Quelle für lange Zeit wurde; und explizit schuldete er etwas der Beschäftigung mit allgemeiner schottischer Musiktradition. Hatte Davies in den 60ern Kollaborateure aus der Vergangenheit gesucht, die sehr oft Engländer waren (Taverner, Purcell, Dunstable), so wendete er sich in den 70ern schottischen Ahnen in Arrangements für "The Fires" wie den "Renaissance Scottish Dances" und "Four Instrumental Motets" zu.

Davies' Offenheit für Themen wie Verrücktheit, Perversion und Delirium hielt an, aber sie verringerte sich, und die Verringerung kann an den Partituren gemessen werden, die er für zwei Filme von Ken Russell ("The Devils" und "The Boy Friend", beide 1971) schrieb, weiters an der fesselnden "Masque" "Blind Man's Buff" (1972) und "Miss Donnithorne's Maggot" (1974). Es war Zeit für einen neuen Helden: nicht einen, der sein tiefstes Inneres verneint hatte,  wie der Opern-Taverner, sondern einen, der aufrecht blieb, und dafür leiden mußte. Davies' zweite Oper, "The Martyrdom of St. Magnus" (1976), erzählt die Geschichte eines Orkadischen Earls und Pazifisten, und ist für eine relativ kleine Besetzung ausgelegt, so daß sie in der Kathedrale, die in der Orkney-Hauptstadt Kirkwall zu Ehren des Hl. Magnus errichtet wurde, als Hauptereignis des ersten St. Magnus Festivals 1977 aufgeführt werden konnte.

Das St. Magnus Festival, das seither als Hochsommer-Event besteht, stellte für Davies eine Möglichkeit dar, den Bewohnern der Orkneys für ihre Gastfreundschaft zu danken. Das Festival hat hervorragende Musiker auf die Inseln gebracht, und seltene Möglichkeiten, große Orchester zu hören, dazu kamen vermehrt Touristen, und es hat Davies ermutigt, sowohl Chormusik für das örtliche Leben beizusteuern als auch Musik für Schulkinder zu schreiben. Sein Gefühl für die öffentliche Verantwortung eines Komponisten - begründet in Cirencester - blühte auf den Orkneys auf, und zeigte sich nicht nur in einer Fülle von Musik, sondern auch in Ansprachen, Interviews und Fernsehsendungen. All das wäre nicht möglich gewesen, wenn er nicht ein adoptierter Orkadier, eine nationale, ja sogar eine internationale Figur gewesen wäre.

Während seiner ersten Jahre auf den Orkneys tourte er regelmäßig mit den "Fires of London", vor allem durch Osteuropa, Australien und die Vereinigten Staaten, und seine steigende Zahl an Orchesterwerken brachte ihm beständig mehr Einladungen zu Dirigaten. Das erste Orchesterstück, das er auf Hoy schrieb, war "Stone Litany" (1973), das auf der Vertonung von rätselhaften Vikinger-Inschriften in der prähistorischen Gruft von Maes Howe, auf der Hauptinsel der Orkney-Inseln, für Frauenstimmen basiert, und von einem neuen Gefühl orchestralen Raums und Farbe, neuem Atem und Weite, und einem neuen Sinn für Vogelrufe und Meereswogen erfüllt ist. Im selben Jahr begann er an dem zu arbeiten, was seine erste Symphonie wurde, die er 1976 vollendete.

In jener Zeit - als das Konzept der Avantgarde immer noch eine Bedeutung hatte, und Maxwell Davies sich als Teil davon fühlte - war die Erscheinung einer Symphonie von ihm erstaunlich, aber es gab eine logische Entwicklung, eine Logik, die von seinem steigenden Vertrauen in Orchestermusik angetrieben wurde, einem Glauben, der in früheren Werken wie der zweiten "Taverner Fantasia" und "Worldes Blis" ernsthaft geprüft aber beibehalten wurde, und verstärkt wird von der neuen Skala und Reichweite seiner Harmonien, basierend auf gesteuerten Kontroversen, die traditionelle Tonalität, die alten Modi der Gregorianik und moderne Atonalität einbeziehen. Das Stück "Ave Maris Stella" (1975) für "The Fires", seine erste große abstrakte Komposition seit "Worldes Blis", erprobte die Lebensfähigkeit seiner Harmonien, und war möglicherweise ein großer Schritt zur Fertigstellung der Symphonie. Es ist auch bemerkenswert, wie weit er die Möglichkeiten der Marimba (in "Ave Maris Stella" und den angeschlossenen Bach-Arrangements) auslotete, da die Marimba in der Symphonie die Meeresdünung darstellt.

Nachdem er die erste Symphonie beendet hatte, bewegte sich Davies in noch schnellerem Gang. Innerhalb der nächsten drei Jahre schrieb er "The Martyrdom of St. Magnus", eine weitere abendfüllende Kammeroper ("The Lighthouse", eine Geistergeschichte), eine abendfüllende Balletpartitur für Orchester ("Salome"), eine Kammersymphonie ("A Mirror of Whitening Light"), einen symphonischen Liederzyklus ("Black Pentecoast"), eine Kinderoper ("The Two Fiddlers"), eine Kantate ("Solstice of Light") und verschiedene andere Sachen. Er war an einer geschäftigen Kreuzung in seinem Leben angelangt, er schrieb immer noch für "The Fires" während er sich zusehends auf das Orchester konzentrierte, er produzierte jährlich etwas für das St. Magnus Festival während er internationale Aufträge ausführte, er verfolgte parallele Karrieren als Komponist für kleine Kinder und für erprobte Professionisten, und setzte seine psychologischen Studien des Abnormalen fort, während er große symphonische Entwürfe (oft alles im selben Stück) machte. Einer Kreuzung, von der er offensichtlich nicht besonders berührt war. "The Fires" gaben ihr letztes reguläres Konzert im Jahre 1987, aber, wie um dies zu kompensieren, hatte Maxwell Davies bereits die Verbindung zum Scottish Chamber Orchestra aufgenommen, bald gefolgt von ähnlichen Verbindungen mit dem BBC Philharmonic und dem Royal Philharmonic, mit denen er jeweils sowohl als Dirigent als auch als Komponist, auf Tourneen wie auch in Großbritannien, gearbeitet hat.

Überblickt man die hektischen letzten fünfzehn Jahre, so ist es vielleicht hilfreich, den chronologischen Ablauf zu vernachlässigen und - nach und nach - die verschiedenen Gebiete zu betrachten, auf denen Peter Maxwell Davies gearbeitet hat. Speziell die Verbindung mit dem Scottish Chamber Orchestra war sehr fruchtbar. Sie erlaubte ihm, sowohl seine Orchestermeisterschaft als auch seine lange Vorliebe, für kleine Gruppen von Kollegen zu schreiben, zu befriedigen, und sie brachte ihn in erfrischenden und kreativen Kontakt mit den Symphonien und Konzerten von Haydn und Mozart. Als erstes, im Jahre 1982, kam ein Triptychon, der aus der "Sinfonia Concertante", "Into the Labyrinth" (1983) mit Tenor solo zu Worten von George Mackay Brown und der "Sinfonietta Accademica" (1983) bestand. Diesen Werken folgten, zwischen 1987 und 1995, eine Folge von zehn "Strathclyde Concertos" für Solisten und Gruppen aus einer Besetzung des Orchesters des späten 18. Jahrhunderts, mit einigen Möglichkeiten, die Mozart anerkannt haben würde (Solo Oboe, Duo von Violine und Viola, Solo Fagott) und einigen, die ihn wohl überrascht hätten (Duo von Horn und Trompete). Davies schrieb 1989 auch seine vierte Symphonie für das SCO. Alles zusammen zeigen diese Werke die klassische Seite eines Komponisten, dessen Sympathien deutlicher der Romantik, der Moderne und dem Mittelalter gehören, obwohl für ihn das 18. Jahrhundert sowohl ein humorvolles und wildes, als auch ein formelles Jahrhundert war. Das 18. Jahrhundert stellt ihm Raum für Unzivilisiertheit und Extravaganz, Gelassenheit und Zeremonie zur Verfügung, in den SCO-Werken soviel wie in "Eight Songs for a Mad King" oder dem Ballett "Caroline Mathilde" (1990), das auf der Geschichte der Schwester des verrückten Königs beruht.

Zur selben Zeit gab es eine klassizistische Tendenz in Davies' Arbeiten für großes Orchester, die sich in klarerer Harmonie, prägnanterer Form und geschmeidigerer Textur ausdrückte. Die ersten dieser Anzeichen finden sich in der zweiten Symphonie (1980), einer Auftragsarbeit für die Hundertjahrfeier des Boston Symphony Orchestra; die dritte Symphonie (1984) reduzierte das reichliche Schlagwerk der Vorgänger auf Pauken alleine. Die Vierte ist - wie erwähnt - für kleinere Besetzung, die Fünfte (1994) ist zwar wieder für großes Orchester, aber in kompakter, ungebrochener Form. Das "Violin Concerto" (1985) paßt in diese Phase der Zurückhaltung, lediglich das "Trumpet Concerto" (1988) tut dies nicht: es ist ein virtuoses Stück mit Tumult und meditativer Melodie. Die Vokalsymphonie "Black Pentecoast" (1979), mit Mezzosopran- und Baritonsolo, zeigt Davies' ausdauernde dramatische Vehemenz, bei dieser Gelegenheit durch die Aussicht auf Uranabbau auf den Orkneys entflammt. Das Thema von Davies' Orchesterwerken sollte nicht ohne die Erwähnung seines unterhaltenden "An Orkney Wedding, with Sunrise" (1984) beendet werden.

Seine Theaterarbeiten jener Periode beinhalten die beiden abendfüllenden Ballette "Salome" und "Caroline Mathilde", beide für die Choreographie durch Flemming Flindt geschrieben. (Ein anderes Ballett-Projekt resultierte im choreographischen Poem "The Beltane Fire".) Unter den Opern gibt es "The Lighthouse", ein klein dimensioniertes Theaterstück für "The Fires" ("The No. 11 Bus", 1984), "Resurrection" (1987), die Realisierung einer Idee aus den 60er Jahren, und "The Doctor of Myddfai" (1996), in Auftrag gegeben von der Welsh National Opera. Sie ergeben eine breit gefächerte Gruppe - genauer gesagt gar keine Gruppe - eher eine Sammlung sehr unterschiedlicher und exzentrischer Individuen. In immer gleicher Weise ist ihre Individualität ihr prinzipieller Inhalt, und es ist leicht - vielleicht zu leicht - sie als versteckte Autobiographien zu verstehen. Dies ist teilweise in "Resurrection" so, wo der stille Held das Opfer von Zwängen, Erwartungen und Heuchelei aller Gesellschaftsschichten wird, obwohl dieses Werk auch als Davies' Beitrag zur Debatte über Erziehung gesehen werden kann.

Genau dafür hat Peter Maxwell Davies in den letzten Jahren eine erkleckliche Anzahl an Miniaturopern für Kinder ("Cinderella", "The Rainbow" und verschiedene kleinere Stücke), Liederbücher, Weihnachtslieder, Werke, die Kinder- oder Erwachsenenamateure mit Professionisten aufführen können, und Instrumentalstücke geschrieben. Es gab auch Instrumentalstücke für Erwachsene, wie z.B. Sonaten für Klavier, Orgel und Gitarre.

Die Ausdehnung, Vielzahl und Qualität seiner Leistungen liegt nunmehr gänzlich auf der Hand, also kann diese Einführung beendet werden. Es bleibt nur zu sagen, daß Peter Maxwell Davies ordnungsgemäß geehrt, 1981 zum "Commander of the British Empire" ernannt wurde, und 1987 den Adelstitel erhielt.

Übersetzung aus dem Englischen von Stephan Bauernfeind, 1998

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