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Séraphin
Versuch eines Theaters 
Instrumente / Stimmen / ... (1993-1996)
Zweiter Zustand, Juli 1996

von Wolfgang Rihm (*1952)
Uraufführung: 1996, Stuttgart

Premiere:  20. November 2003, 
Haus der Berliner Festspiele
Gastsiel: 8. Oktober 2005 Teatro alle tese, im Rahmen der Biennale di Venezia, 49th International Festival of Contemporary Music

Musikalische Leitung
Konzeption und Gestaltung

Luftartistik
Künstlerische Leitung Luftartistik   
Klangregie

Darsteller

Mezzosopran I
Mezzosopran II
Mezzosopran III
Alt I
Alt II
Alt III
Bariton I
Bariton II

Rüdiger Bohn
Sabrina Hölzer und Mirella Weingarten

öff öff productions, Bern
Heidi Aemisegger
Matthias Kirschke, Daniel Weingarten

Miguel Angel Gaspar

Márta Rózsa
Hye-jae Hwang
Barbara Rohlfs
Maria Kowollik
Ulrike Andersen
Elisabeth Umierski
Kai-Uwe Fahnert
Jörg Gottschick

Orchester der Zeitgenössischen Oper Berlin

Wolfgang Rihm nennt sein Werk für acht Stimmen und zehn Instrumentalisten einen Versuch. Im Zentrum seiner Suche steht Antonin Artaud, der Radikale, der Kompromißlose, der Theaterkrieger. Auch er versuchte, zeugte und gründete. Ein Theater der Grausamkeit. Unerbittlich, erbarmungslos, unumkehrbar.

Artauds Text „Séraphin“ und der gleichnamige Essay Charles Baudelaires über die Wirkung von Opium waren Rihms Partner auf der Suche nach einem Musiktheater, das die Magie des kollektiven Erlebens jenseits der Sprache und Illustration neu erkundet. Eine Theaterform, die nicht auf Handlung fußt, sondern Handlung ist. Das Theater als sein eigener Text. Grausam, weil es die Trennung zwischen Kunst und Leben verwirft. Läßt man sich tief auf die geradezu vegetative Musik Rihms ein, so beginnt man zu halluzinieren, wie unter dem Genuß von Drogen. Die Klänge sind gefährlich, weil sie Realität werden, wie die Phantasien dessen, der sich auf dem Höhepunkt eines Rausches befindet.

Mit den Luftartisten der international renommierten Schweizer Gruppe öff öff, deren Kunst sich aus dem kompromißlosen Einsatz ihres Lebens speist, und dem auf experimentelle Bewegungsformen spezialisierten mexikanischen Darsteller Miguel Angel Gaspar erforschen Sabrina Hölzer und Mirella Weingarten das Objekt, das mit der Musik Rihms entstanden ist. In einer Art halluzinogener Bilder, Handlungen und Extremsituationen entsteht eine theatralische Suche unterhalb der Sprache, die Artaud durchbrechen wollte, um das Leben zu ergreifen. In seinem Versuch eines Musiktheaters folgt Wolfgang Rihm den Worten Artauds, der sagt: „Wenn es überhaupt etwas Infernalisches, wirklich Verruchtes in dieser Zeit gibt, so ist es das künstlerische Haften an Formen, statt zu sein, wie Verurteilte, die man verbrennt und die von ihrem Scheiterhaufen herab Zeichen machen."

In Kooperation mit den Berliner Festspielen - gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur - mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung, der Stiftung Kulturfonds, der Freien Universität Berlin, Referat Weiterbildung und des Berliner Künstlerprogrammes des DAAD

Rechte: Universal Edition, Wien

 

Antonin Artaud: Das Théâtre de Séraphin
Charles Baudelaire: Das Théâtre de Séraphin

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