| Zeitgenössische Oper Berlin |
| Qu Xiao-song *1952 |
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| Qu Xiao-song wurde
1952 in Guiyang in der Provinz Guizhou geboren. Er war 14 Jahr alt, als die
Kulturrevolution ausbrach und mußte 4 Jahre als Landarbeiter bei chinesischen Bauern im
entlegenen Mio arbeiten. Wie kein anderer chinesischer Komponist ist Qu von dieser
Erfahrung bis heute tief geprägt worden. So wie Béla Bartók war er nicht nur von der
Musik, sondern von der Ganzheit des Lebensvollzuges in diesen traditionellen
Gemeinschaften fasziniert. Es war insbesondere die Synthese von Natur und Kultur, der
Respekt vor der Stille und die gelebten Maximen der kunfuzianischen Lebensanschauung:
Ganzheit, Einfachheit und Authentizität, die Qu in sein kompositorisches Denken und
Schaffen aufgenommen hat. Es entstehen eine Reihe von Werken, die ganz aus dem Geist der chinesischen Volksmusik entstanden sind, so z.B. die drei Kantaten: Mong Dong (1986), Cleaving the Coffin (1987) nach einer Legende über den chinesischen Philosophen Zhuangzi und Mist (1991). Diese drei Kantaten bilden die Grundlage für zwei sehr erfolgreiche Kammeropern: Oedipus (1992-93) und The Death of Oedipus (1993-94). Ganz bewußt suchte sich Qu den antiken Oedipus-Mythos als Vorlage für sein Libretto. Sein Konzept war es, diesen berühmten Stoff einmal aus der Perspektive buddhistischen Denkens zu interpretieren. Die Oper Oedipus wurde in Stockholm mit großem Erfolg aufgeführt. Alle 20 Vorstellungen waren ausverkauft. Während die abendfüllende Oper Oedipus das Drama nachzeichnet, verlegt Qu das Geschehen bei dem Folgewerk ganz ins Innere: Nicht die Schandtat, sondern die Reue des Oedipus nach der Tat stehen hier im Zentrum. 1990 hat Qu einen Werkzyklus begonnen, den er Ji, "Stille" nennt. Bisher sind 7 Werke in verschiedenen Besetzungen entstanden, so z. B. Ji 5 für koto, sho und Streichquartett. Stille ist hier keine Pause wie in der westlichen Musik, d.h. der Abstand zwischen musikalischen Ereignissen, sondern die Stille ist das wichtigste musikalische Ereignis selbst. Die Musik führt den Hörer dahin, Stille zu hören. Stille ist auch ein Klang, ein Ort der Sammlung, der Meditation und des Ein- und Ausatmens. Stille ist der mystische Ort wo Zeit und Zeitlosigkeit miteinander verschmelzen. Seine Oper "Die letzte Saite" (Life on a String) basiert auf den Traditionen der Sagenerzählungen chinesischer Dichtersänger und erweitert die ursprüngliche Form der Deklamation mit Elementen westlichen Komponierens. Qu ist aber kein Nationalist. Keinesfalls möchte er den "Eurozentrismus" durch einen "Asiazentrismus" ersetzen. Für ihn ist die Musik eine universale, übernationale Kommunikationsweise. Diesen Anspruch hat er in einem seiner letzten Werke "Weisst du, wie der Regen klingt... " für Chor und Kammerorchester unterstrichen. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Rundfunkchores Berlin und wurde in Rahmen des Festivals Ultraschall am 27.1. 2000 im Kammermusiksaal der Philharmonie unter Leitung des Komponisten uraufgeführt. In diesem Werk läßt Qu eine Vielzahl von volksmusikalischen Einflüssen aus aller Welt zusammenfließen. Während der Einstudierung seiner Oper "Die letzte Saite" bei der Zeitgenössischen Oper Berlin war Qu Xiao-song Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Qu Xiao-song, der von 1989 - 1999 in New York gelebt hat, ist wieder nach China zurückgekehrt, wo er am Konservatorium von Shanghai Komposition unterrichtet. "Silence is my goal" - Interview mit Qu Xiao-song vom 21. Januar 2000
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