| Zeitgenössische Oper Berlin |
| Sechzehn Jahre nach der
Uraufführung der Gespenstersonate im Auftrag der 34. Berliner Festwochen zeigt die
Zeitgenössische Oper Berlin die erfolgreiche Oper des Komponisten Aribert Reimann erneut
im Hebbel-Theater. Die Handlung Erstes Bild Der Student Arkenholz erwacht am Brunnen, ein Milchmädchen erscheint. Der Student hat letzte Nacht den Einsturz eines Hauses erlebt. Das Mädchen soll ihm die Augen, die Tote gesehen, die Hände, die Leichen berührt haben, reinwaschen. Dabei wird er beobachtet von einem Alten im Rollstuhl, Direktor Hummel. Diesem ist die Szene unheimlich, weil er das Milchmädchen nicht sehen kann. Der Alte erzählt dem Studenten, daß er dessen verstorbenen Vater einst aus dem Elend gerettet hat. Der Student hat von seinem Vater das Gegenteil über Hummel gehört: "Sonderbar, wie Geschichten auf so gegensätzliche Weise erzählt werden können." Und er erzählt dem Alten, daß er als "Sonntagskind" die Fähigkeit besitzt, Wiedergänger zu sehen: Tote, die in das Reich der Lebenden so lange wiederkehren, bis ihnen Gerechtigkeit wiederfahren ist. Während des Gesprächs erscheinen die Bewohner des Hauses, vor dem die Szene spielt: die dunkle Dame, die um ihren gerade gestorbenen Vater, den Konsul, trauert; die Pförtnerin, ihre Mutter; der tote Konsul, der seine Kränze zählen will; Fräulein Holsteinkrona, die vor 60 Jahren die Braut von Direktor Hummel war; schließlich zeigen sich der Oberst und eine junge Frau kurz am Fenster. Der Alte verspricht dem Studenten, das Herz des Fräuleins für ihn zu öffnen: "Dienen Sie mir und Sie sollen herrschen... werden Sie mir ein Sohn". Johansson, Hummels Diener, hält seinen Tagesbericht und bringt den Alten auf dessen Befehl zum Hintereingang des Hauses. In seiner Abwesenheit erzählt Johansson dem Studenten von den Geschäften seines Herrn, der ihn in der Hand hat und nur eines will: "Herrschen". Der Alte ist ein Immobilienhai, der Häuser abreißen läßt, der nichts fürchtet, nur eines... Er wendet sich immer ab, wenn er einen Milchwagen sieht. Der Alte kehrt zurück und feiert die Heldentat des Studenten, der unter Lebensgefahr so viele gerettet hat. Plötzlich sieht auch er das Milchmädchen und ergreift die Flucht. Zweites Bild Im Salon des Oberst bereiten dessen Diener Bengtsson und Johansson das "Gespenstersouper" vor: Seit einer Ewigkeit sitzen sie hier zusammen, die alles voneinander wissen und sich nichts mehr zu sagen haben, aneinandergekettet durch Verführungen, Verbrechen und Schuld. Die Frau des Oberst und Mutter des Fräuleins lebt seit Jahrzehnten wie eine Mumie in einem Wandschrank, um ihr Verbrechen zu büßen: eine Nacht mit Direktor Hummel. Der ist der Vater des kranken Fräuleins und nicht der Oberst. Die Mumie überrascht ihren ehemaligen Liebhaber, der in das Haus eingedrungen ist, und beschwört ihn, den Oberst zu schonen. Hummel hat alle Schuldscheine des Oberst aufgekauft. Er verlangt vom Oberst, daß er Bengtsson entläßt und er selbst als Gast geduldet wird. Dann entlarvt er den ehemaligen Lakaien, der seinen adeligen Namen und militärischen Dienstgrad zu Unrecht trägt. Der Student wird zum Fräulein geführt, die Gäste des "Gespenstersoupers" erscheinen: Hummels einstige Braut, die der Oberst verführte, und Baron Skanskorg, ein Juwelendieb, der einmal Liebhaber der Mumie war. Der Alte eröffnet sein Strafgericht: er will das Unkraut ausjäten, das Verbrechen enthüllen. "Hört Ihr die Uhr?... Wenn sie schlägt, ist eure Zeit um". Die Mumie geht zur Uhr und bringt sie zum Stehen: "Aber ich kann die Zeit in ihrem Lauf aufhalten; ich kann die Vergangenheit auslöschen, das Geschehene ungeschehen machen... durch Leiden und Reue". Die Mumie entlarvt den selbsternannten Richter: Hummel ist ein Menschendieb, er hat den Konsul in den Tod getrieben und den Studenten an sich gebunden. Und Bengtsson bezeugt: Der Alte hat ein Milchmädchen aufs Eis gelockt und ertränkt, weil sie Zeugin eines seiner Verbrechen war. Die Mumie zwingt Direktor Hummel, sich im Wandschrank zu erhängen. "Es ist vollbracht! - Amen."
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Drittes Bild Das Fräulein ist mit dem Studenten allein in ihrem Zimmer. Sie lebt in einer Welt von Hyazinthen, deren Geheimnis auch der Student zu kennen scheint. Sie probieren die Sprache der Liebe durch die Blume. Der Duft der Hyazinthen verlockt und macht Angst, sich zu verlieren. Das Fräulein wehrt den Heiratsantrag des Studenten ab, ihr Los ist: "Warten, Prüfungen, Geduld!" Die Köchin, ein Mitglied der Vampirfamilie Hummel, erscheint. Sie saugt allen das Leben aus. Das Fräulein sieht im Vampirismus die Strafe für ihre Sünden, er gehört zu den "Prüfungen, die wir hier im Haus durchmachen müssen!" Der Student glaubt, klar zu sehen, die Geschichte des Hauses zu verstehen. Das Fräulein hat Angst vor den Konsequenzen seiner Erkenntnis und fleht ihn an: "Sagen Sie es nicht, denn dann sterbe ich!" |
![]() Christian Baumgärtel (Student) und Malin Byström (Fräulein) |
Die 'Wahrheit ist dem Studenten wichtiger als die 'Liebe', er spricht im Entlarvungsrausch das Todesurteil über das Fräulein: Sie kann unmöglich seine Frau werden, weil sie krank ist "am Quell des Lebens..."Das Fräulein schreit zum Himmel, weil sie sterben muß: "Erlöser der Welt, erlöse uns, wir vergehen!" Der Student stellt vor sie den Totenschirm und singt ihr ein Lied zum Einschlafen. Der Student sammelt die Blumen des Fräuleins ein. Seine letzten Worte heißen: "Gut ist schuldlos bleiben." |